Friday, June 08, 2007

08. Juni – Schimpansentheorie

Wir haben heute seit langem mal wieder durchgeschlafen. Ein herrlicher Morgen erwartete uns und den wollten wir nicht so ungenutzt verstreichen lassen.


Wir wollten uns das verlassene Fischerdorf auf Naissaar anschauen.


Leider machte uns da unsere Navigation einen Strich durch die Rechnung. Nach einer dreiviertel Stunde Fussmarsch und (wie sich später herausstellte) schätzungsweise 100m Luftlinie vom Fischerdorf entfernt, kehrten wir wieder um.


Auf Naissaar wandert man durch flechtenbedeckte Wälder auf sandigen Wegen. Überall begegnen einem Zeitzeugen der jeweiligen (WK I, WK II, Kalter Krieg) militärischen Nutzer dieser Insel.

Es war interessant und vor allem für uns auch wichtig, mal wieder zwei Stunden am Stück stramm zu gehen. Am Anfang merkten wir schon, dass wir diese Art der Bewegung nicht mehr gewohnt sind.

Um 11 Uhr starteten wir dann nach Tallin. Natürlich mussten wir das Verkehrstrennungsgebiet während der Rush-Hour queren, was uns aber aufgrund unserer Elb-Erfahrung relativ kalt ließ.

In Tallin trafen wir mit der Wahl des Khalev-Yachtclubs die richtige Entscheidung. Die Duschen und Sanitäreinrichtungen sind ordentlich und in der Nähe und es ist günstiger als im Olympiahafen-Top (und vor allem viel sauberer).

Außerdem gehen einem hier auch nicht die, ich formulier es mal so, angeheiterten Finnen auf den Senkel.

Die Anlieferung erfolgt auch hier wieder kistenweise ans Boot.

Wir gingen dann auch in den am Hafen ansässigen Alko-Dealer, bei dem die NOKIA-Produzenten hektoliterweise einkaufen. Was soll ich sagen: Der Wein ist doppelt so teuer, wie in Deutschland und der Sprit ist ähnlich teuer.

Wo wir gerade beim Sprit sind. Für Menschen mit Spirituskocher brechen teure Zeiten an. Seit Danzig versucht Michael an Brennspiritus zu kommen. Hier ist er erstmals fündig geworden…im Yachtshop…für umgerechnet 10 Euro den Liter.

Dann waren wir in dem Restaurant auf dem Vereinsgelände einen Salat essen. Ich beobachte für mein Leben gern Menschen. Hier hatte ich wieder Gelegenheit dazu.

Ich hol jetzt ein wenig aus, um der Überschrift gerecht zu werden.

Uns fällt immer mehr auf, dass Yachtsport hier mit viel Geld verbunden ist. Ich habe es ja schon häufig angedeutet. Aber was hier an Werten auf den Parkplätzen steht ist unglaublich.

So standen hier nebeneinander zwei nagelneue Audi S 8 (die mit dem guten V 10 Motoren). Die fielen richtig auf neben den S-Klassen, 7er BMW und Touaregs. In den einen stieg dann ein Typ ein, dem ich in Hamburg nicht mal ein Fahrrad zugetraut hätte.

Selbst Michael meinte: Irgendwas mache er falsch. Ich schließe mich da an.

Ebensolche Leute saßen dann in dem Restaurant…und alle mit ausgesprochen aparten Partnerinnen als Begleitung.

Eins ist uns auf alle Fälle klar geworden. Hier nimmt uns keiner unsere alten Gebrauchtwagen ab. Diese Vorstellung können wir uns mal getrost von der Backe putzen. Es ist wohl eher so, dass die Wartezeiten auf einen Neuwagen in Deutschland so hoch sind, weil die erstmal hierher geliefert werden.

Klar ist, dass das hier auch kein repräsentatives Bild sein kann. Wir sind hier in Tallinn, was an sich schon mal ein sehr teures Pflaster ist und dann ist Yachtsport in den baltischen Ländern noch Eliten-Freizeitvertreib. Insofern ist das schon klar, dass man sich hier verwundert die Augen reibt.

Ach ja, jetzt zu der Überschrift. Wir haben uns ja schon längere Zeit darüber gewundert, warum hier Pärchen herumlaufen, bei denen der Mann auf den ersten Blick etwas optischen und verhaltensmäßigen Nachholbedarf hat.

Michael ist Psychologe und der erklärte uns dies als natürliche Verhaltensweise wie folgt: Mit Schimpansen wurde ein Versuch mit folgendem Aufbau durchgeführt. Die Schimpansen erhielten „Tokens“ (Münzen), mit denen sie an einem Futterautomaten Nahrung „kaufen“ konnten. Die Schimpansen hatten das Prinzip schnell raus und die Währung wurde schnell eingesetzt. Nach einer Zeit wurde eines Nachts ein Wärter durch einen Radau im Käfig aufmerksam und stellte fest, dass sich Weibchen gegen „Tokens“ außerhalb der Hackordnung zur Paarung einließen…

…ähnliches Prinzip scheint auch hier zu funktionieren.

Bilder gibt es heute nicht…wir sind mit Kamera…aber ohne Speicherkarte losgegangen…

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